NEWS

Soeben wurde das Axensprung-Ensemble für die NDR/arte-Koproduktion „Novembersturm“ (Regie: Jens Becker) besetzt. Das Dokudrama über den Kieler Matrosenaufstand 1918 wird im Herbst 2018 ausgestrahlt.

Ein Schauspiel zu den politischen Umbrüchen in Deutschland 1918/19

In enger Zusammenarbeit mit dem Museum für Hamburgische Geschichte, das vom 25. April 2018 bis zum 24. Februar 2019 eine Sonderausstellung zum Thema „Revolution 1918/1919 in Hamburg“ zeigen wird, entsteht eine Theaterproduktion, die ihren Ausgangspunkt in den tatsächlichen historischen Ereignissen der Monate Oktober 1918 bis Sommer 1919 hat.
Im Mittelpunkt unserer Erzählung „Revolution!?“ stehen fünf Protagonisten: Ein Kieler Matrose, eine Hamburger Fabrikarbeiterin, ein Freikorpsmann, Reichswehrminister Noske und der Hamburger Bürgermeister Werner von Melle. Einige unserer Protagonisten sind fiktiv, andere existierten real. In unserer Theateranordnung werden sie sich begegnen: ihre Geschichten und Loyalitätskonflikte spiegeln diese wirren Zeiten.

Der Erzählstrang führt von der Meuterei der Kieler Matrosen im Okt./Nov. 1918 und der Gründung der dortigen Soldaten- und Arbeiterräte hin zur Rätebewegung in Hamburg (und Bremen u.a.), der letztlichen Hinwendung zur parlamentarischen Demokratie, den Gründen und Auswirkungen der „Sülzeunruhen“ in Hamburg als letztem Höhepunkt der Auseinandersetzungen bis hin zur gesamtdeutschen Zerschlagung und Unterdrückung der verbliebenen basisdemokratischen Bewegungen durch die Freikorps, federführend unter Reichswehrminister Noske (Zitat: „Einer muss der Bluthund sein“).
Das theatrale Bindeglied zwischen den Ereignissen damals und heute bildet ein Advocatus Diaboli, der aus unserer Zeit heraus das ganze gegenüber dem Publikum kommentiert. So versuchen wir, Geschichte von unten wie von oben zu zeigen. Jede einzelne Figur steckt in tiefsten Solidaritäts- und Loyalitätskonflikten. Wir veranschaulichen, wie sehr Hunger und Aussichtslosigkeit, aber auch die Verheißung einer neuen menschlicheren Zeit die Gefühle bestimmen und unter welchen Opfern diese Menschlichkeit verloren geht bzw. bewahrt bleibt.

Wir stellen auch – aus heutiger Sicht – die Frage, welche politischen und gesellschaftlichen Modelle damals möglich gewesen wären und der „Notwendigkeit“ und politischen Pragmatik geopfert wurden.

„[…] Spät nachts läuft der Zug in einen großen Bahnhof ein. Ich lese HAMBURG. Die Halle ist von tobendem Lärm erfüllt. Auf Treppen, auf Bahnsteigen und Gängen sind Menschenmassen in Bewegung. Der Bahnhof gleicht einem ungeheuren Theater mit zahllosen Galerien und vielen Bühnen, auf denen wilde Massenszenen gespielt werden. Ein Strom von Menschen reißt uns alle auseinander. Auf einmal bin ich allein in einer Masse feldgrauer Soldaten. Was ich nun tue, geschieht rein instinktiv: Mich unsichtbar machen! So sein wie alle, die hier herumwimmeln! In einer dunklen Ecke nehme ich mein Mützenband herunter und lege es verkehrt, wie alle Matrosen ihre Mützenbänder tragen, in Vexierschrift. Den Militärpass stecke ich in meinen linken Schuh, die losgeschnittene Kaiserkrone in den rechten. Ich dränge mich in die Menge, wo sie am dichtesten ist, lasse mich treiben im Strom.
Platz vor dem Bahnhof: Lastwagen, besetzt mit Matrosen, die Gewehre mit aufgepflanzten Bajonetten tragend. Maschinengewehre sind auf den Dächern der Führerhäuser aufgebaut. Unter dem Trillern von Bootsmannspfeifen rasen sie durch die Straßen wie Feuerwehrautos. Stacheldrahtverhaue vor den Bahnhofstoren, Matrosen mit Gewehren im Anschlag dahinter. Personenautos jagen heran mit gellenden Signalpfeifen. Matrosen liegen auf den Wölbungen der Kotflügel, Pistolen in der Hand. Soldaten mit roten Armbinden stürmen aus den Wagen dem Bahnhof zu. Einige haben drei, vier Pistolen am Koppel festgeschnallt, andere haben Gurte mit Maschinengewehrmunition um den ganzen Körper geschlungen. Rote Fahnen flattern: der zweite Zug mit tausend Matrosen wird soeben abgelassen nach Berlin. Die Straßen sind mit Extrablättern und Aufrufen bedeckt. Das Papier fliegt von den Lastautos, ja, es scheint vom Himmel selbst zu wehen. Rufe von Lastautos: ‚Die englische Flotte liegt unter roter Flagge vor Cuxhaven! –Der Kaiser ist geflohen! –Der Kronprinz hat sich erschossen! –Die Matrosen haben den Elbtunnel erstürmt! –Die Wandsbeker Husaren wollen Hamburg angreifen! –Hoch Liebknecht! –Hoch Rosa Luxemburg! –Kameraden, auf ins Gewerkschaftshaus!'“

 

- Aus dem Tagebuch eines Seekadetten

„Es wurde mir fest zugesichert,dass ich mit meinen Leuten die Waffen und Munition behalten sollte und sicher zum Bahnhof geleitet würde.Es war mir ausdrücklich gesagt worden, auf keinen Fall Widerstand zu leisten, da sonst ein unnützes,fürchterliches Blutbad entstehen würde.Man lässt also die Aufrührer schalten; es ist daher auch unausbleiblich, dass diese Bewegung auch auf die Armee übergeht und auch diese zersetzt.

Ich rückte also auf die Strasse und liess dort meine Kompagnie ordnungsgemäss antreten.
Rechts und links standen je eine Reihe von bewaffnete Rebellen, die mir zum „Schutz“ beigegeben waren und sich während des ganzen Marsches ruhig und ordentlich verhielten; es fiel kein Schimpfwort und auch ichblieb ganz unbelästigt,trotzdem ich absichtlich mitten zwischen den Kerls ging und mehrfach einen anrempelte, wenn er mir nicht Platz machte.
Diese Begleitleute versuchten natürlich, meine Leute während des Marsches zu überreden, mit ihnen zu halten usw.; aber zu meiner Freude verhielten sich meine Leute ganz ablehnend.

Die „Begleitung“ führte ein Matrose, einer der Haupträdelsführer, den ich gleich zuerst harsch Anfuhr und der darauf die Hacken zusammen nahm und mich mit „Herr Oberleutnant“ anredete; ein Zeichen, dass diese Kerls im Grunde doch feige sind. Natürlich liess ich die Kompanie auf mein Kommando hin antreten und in den Bahnhof einrücken ohne mich um die Halunken weiter zu kümmern. Eine unvergessliche Schmach war es aber doch, hinter dem roten Fetzen, den ein Kerl trug, herziehen zu müssen. Welcher preussische Offizier hätte das vor kurzer Zeit noch für möglich gehalten!
Mit dem heutigen Tage hat die kaiserliche Marine aufgehört zu bestehen und die Revolution in Deutschland hat ihren Anfang genommen.“

- Aus dem Tagebuch eines Oberleutnants

Das Kreativteam

Die Menschen hinter "Axensprung"

OLIVER HERMANN

Schauspieler, Autor, Sprecher

OLIVER HERMANN lebt und arbeitet als Schauspieler und Sprecher in Hamburg. Er gastierte an zahlreichen deutschen Theatern. Präsenz in diversen TV-Produktionen und beim „Hamburger Jedermann“. Seit vielen Jahren produziert und spielt er in Theaterprojekten mit kritisch-historischem Ansatz.

filmmakers.de/oliver-hermann
o.hermann@gmx.de

MARKUS VOIGT

Musiker, Komponist

MARKUS VOIGT lebt und arbeitet als Komponist und Musiker in Hamburg. Er studierte Jazz an der dortigen Hochschule für Musik und Theater und ist musikalischer Leiter am Schmidts Tivoli und Schmidt Theater.

www.markusvoigt.com
mail@markusvoigt.com

MICHAEL BIDELLER

Schauspieler, Sprecher

MICHAEL BIDELLER arbeitet seit 1988 als Schauspieler und Sprecher in Hamburg, unter anderem am Ernst Deutsch Theater und alljährlich beim „Hamburger Jedermann“. Davor war er an Theatern in Bruchsal, Berlin, Bremen, Detmold, Mannheim und München engagiert.

www.bideller.de
michael@bideller.de

MIGNON REMÉ

Schauspielerin, Sprecherin

MIGNON REMÉ ist Schauspielerin und Regisseurin. Sie spielte in diversen Theaterproduktionen, u. a. in „Der Hamburger Jedermann“ und in „Sonyboys“ beim steirischen Herbst in Graz. Sie ist Gründerin und Mitglied der Improvisationstheatergruppe „hidden shakespeare“, mit welcher sie u. a. regelmäßig in Hamburg auftritt. Des Weiteren ist sie häufig in TV- und Filmproduktionen zu sehen.

www.hiddenshakespeare.de
www.hiddenhitchcock.com
www.gottschalk-behrens.com

ERIK SCHÄFFLER

Schauspieler, Autor, Regisseur

ERIK SCHÄFFLER lebt als Schauspieler, Sprecher, Theaterregisseur und -autor in Hamburg. Die letzten fünf Jahre spielte er u.a. im Ensemble des Deutschen Schauspielhauses, am Schmidts Tivoli und im „Hamburger Jedermann“. Er inszenierte zuletzt am Theater Combinale Lübeck und dem Polittbüro Hamburg.

www.erikschaeffler.de
erik.schaeffler@gmx.de

EIKE ZULEEG

Kameramann

EIKE ZULEEG lebt in Hamburg und arbeitet weltweit als Kameramann in den Bereichen Werbung, Dokumentarfilm und Spielfilm. Er ist Livekameramann bei der Thaliaproduktion Faust Marathon und hat als Mitarbeiter und Kameramann einen großen Teil der Einspieler fotografiert. Sein Abschlussfilm „memoryeffekt“ und der Dokumentarfilm „Hans im Glück“, den er montiert und in Teilen gefilmt hat, liefen beide auf der Berlinale in der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“.

www.eikezuleeg.com
mail@eikezuleeg.de

BORIS PORR

Grafiker

BORIS PORR lebt und arbeitet in Hamburg. Während seines Kommunikationsdesignstudiums gründete er 1996  „grafisch“ ein Büro/Atelier für grafische Angelegenheiten.

www.gra-fisch.net
boris@gra-fisch.net

 

MARKUS RICHTER

Schauspieler, Fotografie & Web

MARKUS RICHTER lebt und arbeitet seit Jahren als Schauspieler und Sänger in Hamburg. Im Jahr 2010 hat er sein Debütalbum „Ich sehe was was du nicht siehst“` veröffentlicht. Bei den axensprung-Projekten ist er als Webmaster tätig.

www.richter-markus.de
www.lichtgeschrieben.de

Kontaktieren Sie uns!

Anfragen und Buchungen bitte hier über das Kontaktformular. Wir melden uns umgehend!